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Inmitten des ausgedehnten, wald- und teichreichen Böhmisch-Mährischen Berglandes, an beiden Seiten der ehemaligen Landesgrenze zwischen Böhmen und Mähren, liegt die alterwürdige Stadt Jihlava, die älteste Bergstadt in den böhmischen Ländern (550 m ü.M., 88 km2, 53 tausend Einwohner).
Es ist historisch beurkundet, dass es Ende des 12. Jahrhunderts ein slawisches Dorf mit der Kirche des Heiligen Johannes des Täufers auf einer Anhöhe über dem Fluss Jihlava (Iglau) gab. Das Dorf wurde zum Ausgangspunkt der Kolonisierung des Gebietes, die durch die Entdeckung von Silbererz Ende der 40er Jahre des 13. Jahrhunderts außergewöhnlich beschleunigt wurde. Das Silberfieber zog Bergleute, Handwerker und Händler aus ganz Europa an. Das kleine Dorf war ihrem Ansturm und ihren Bedürfnissen nicht gewachsen, und deshalb wurde jenseits des Flusses mit dem Aufbau einer neuen Stadt begonnen.
Der aus dem Bergbau fließende Reichtum kam insbesondere in der Großzügigkeit der Stadtgründung zum Vorschein. Fast gleichzeitig wurden drei bedeutende Kirchengebäude gebaut - die Pfarrkirche des Heiligen Jacob und die Klosterkomplexe der Minoriten und der Dominikaner. Der gleichmäßige Grundriß des rechteckigen Straßennetzes mit einem großen Marktplatz in der Mitte war durch die Bauordnung des Königs Premysl Otakar II. von 1270 gegeben. Die vom König erteilten Privilegien garantierten der Stadt Prosperität, und Jihlava wurde bald zu einer der mächtigsten Städte des Königreiches. Sie war von mächtigen Festungsmauern geschützt, den Marktplatz säumten steinerne Häuser mit einem Laubengang, in der Stadt wurden Münzen geschlagen. Erhaltene Kunstdenkmäler (illuminierte Rechtshandschriften und spätgotische Plastiken) gehören zu den bedeutendsten dieser Art in den böhmischen Ländern. Jihlava nahm einen bedeutenden Platz auch auf dem Rechtsgebiet ein - erstmals in Mitteleuropa war hier neben dem Stadtrecht auch das Bergrecht kodifiziert, das zum Vorbild für eine Reihe von weiteren Bergstädten wurde. Jahrhunderte lang war Jihlava der Sitz des Oberberggerichts.
Die Bedeutung des Silberbergbaus ist Ende des 14. Jh. gesunken. Die reichsten Silbererzadern waren ausgebeutet und das Bergwerk von Erdbeben und Überschwemmungen betroffen. Die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt war jedoch in der Zeit bereits durch Handel und Handwerksproduktion gesichert - insbesondere das Tuchmacherhandwerk wurde für drei Jahrhunderte zum entscheidenden Wirtschaftszweig. Ein großer Stadtbrand 1523 hat die mittelalterliche Epoche des Stadtaufbaus beendet. Die Stadt wurde im Renaissance-Stil wiederaufgebaut. Es entstand das typische Haus von Jihlava mit dem sog. überdachten Hof, wo sich über einem gotischen unteren Saal (Maßhaus) ein Renaissanceraum mit Arkadenloggia und toskanischen Säulen öffnet, der gewöhnlich mit wabenförmigem Gewölbe abgeschlossen und oft mit Fresken verziert ist.
Die Stadt litt stark unter der schwedischen Besatzung während des Dreißigjährigen Krieges. Die Vorstädte waren abgebrannt, die meisten Häuser abgerissen, in der Stadt blieb lediglich ein Achtel der Einwohner. Es dauerte länger als hundert Jahre, bis alle Schäden beseitigt wurden und Jihlava ein neues materielles und kulturelles Wachstum erreichte. Die Stadt wurde im Barockstil wiederaufgebaut. Der bedeutendste Barockbau ist die Jesuitenkirche des Heiligen Ignatius, die samt Kolleg und Gymnasium Ende des 17. Jahrhunderts gebaut wurde.
Eine weitere Entwicklungsetappe stand wieder im Zeichen des Tuches. Die Kaiserin Maria Theresia lud niederländische Tuchmacher in die Stadt ein, deren Erfahrungen eine Vervollkommnung der Tuchproduktion zur Folge hatten. Die Tuchproduktion gab Tausenden von Menschen in der Stadt sowie in der Umgebung Brot, in der 2. Hälfte des 18. Jh. war Jihlava der zweitgrößte Tuchproduzent in der Monarchie. Die Stadt erlebte in dieser Zeit eine markante Veränderung - sie durchbrach den engen Kreis der Stadtmauern, der Marktplatz bekam eine Nachtbeleuchtung, das Rathaus wurde umgebaut. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die Stadttore mit ihren schmalen Einfahrten abgerissen, die Fassaden der Häuser wurden im klassizistischen Stil gestaltet.
Das städtische Denkmalschutzgebiet - eine einzigartige Kombination der Gotik, Renaissance und des Barocks - wird jeden Bewunderer der Kunstdenkmäler und der alten Geschichte erfreuen.
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